Methodik & Evidenz
Der Sovereign Cloud Compass vergleicht 17 souveräne Cloud-Anbieter anhand von 31 Kriterien auf Grundlage öffentlich verfügbarer Nachweise. Er verbindet eine praxisnahe, konfigurierbare Bewertungslogik mit einer EU-Referenzsicht auf Basis des EU Cloud Sovereignty Framework (CSF v1.2.1).
1) Compass-Bewertung (Ihre Konfiguration)
Der Compass liefert bewusst keinen generischen „Gesamtsieger“. Stattdessen durchlaufen Sie in vier Schritten eine konfigurierbare Bewertungslogik, die auf Ihren konkreten Bedarf zugeschnitten ist:
- Schritt 1 – Anwendungsfall: Ihr Einsatzszenario (z. B. Öffentliche Verwaltung, KRITIS, Gesundheitswesen) setzt nachvollziehbare Standard-Gewichtungen, die den Fokus der Bewertung bestimmen.
- Schritt 2 – Souveränitätsfokus (Linse): Sie wählen einen Schwerpunkt – Eigentum & Jurisdiktion, Betriebsmodell & Kontrolle oder Technik & Schutzmaßnahmen –, der die Gewichtung gezielt verschiebt.
- Schritt 3 – Mindestanforderungen (Ausschlusskriterien): Harte Untergrenzen definieren, welche Kriterien ein Anbieter zwingend erfüllen muss. Anbieter, die unter dem Schwellwert liegen, werden ausgeschlossen. Dazu gehört auch die Regel für fehlende Angaben (N/A-Regel): Tolerant (N/A ignorieren), Konservativ (N/A = 0) oder Strikt (N/A = 0 + Ausschluss bei Ausschlusskriterien).
- Schritt 4 – Gewichtung: Die Schnellstrategie verschiebt das Verhältnis zwischen Kontrolle (Eigentum + Betrieb) und Umsetzung (Technik & Schutzmaßnahmen). Optional lassen sich einzelne Kriterien feingewichten.
2) Souveränitätsprofil (6 Dimensionen)
Jeder Anbieter wird zusätzlich auf sechs Achsen (jeweils 0–5) abgebildet. Das Profil macht Zielkonflikte und Stärken-/Schwächen-Muster auf einen Blick sichtbar:
- Datenresidenz – Wo werden Kundeninhalte und Metadaten verarbeitet und gespeichert?
- Operationale Souveränität – Betrieb, Support und Abhängigkeit von Non-EU-Akteuren.
- Recht & Jurisdiktion – Eigentümerstruktur, Jurisdiktionsrisiken, vertragliche Verankerung in der EU.
- Kryptografie & Schlüsselkontrolle – Verschlüsselung, Schlüsselhoheit, Zugriffsausschluss.
- Transparenz & Prüfbarkeit – Prüfberichte, unabhängige Überprüfung, Nachvollziehbarkeit.
- Portabilität & Interoperabilität – Offene Standards, API-Portabilität, Vermeidung von Anbieterabhängigkeit.
Das Profil wird sowohl als Raster- als auch als Radardiagramm angezeigt und steht auch im A/B-Vergleich zur Verfügung.
3) Bewertungsskala (0–5 + N/A) & Abdeckung
Jedes Kriterium wird pro Anbieter auf einer Skala von 0 bis 5 bewertet. N/A bedeutet: In der Datenbasis liegen keine belastbaren Nachweise vor, um eine Bewertung zu vergeben.
- Die N/A-Regel bestimmt, wie mit fehlenden Angaben umgegangen wird (tolerant, konservativ oder strikt) – ein zentraler Hebel für die Aussagekraft des Ergebnisses.
- Abdeckung zeigt prozentual, wie viele Kriterien der ausgewählten Achse oder Kategorie tatsächlich mit Nachweisen hinterlegt sind.
- Bewertungen sind immer geltungsbereichsabhängig: Sie gelten für den konkreten Dienstumfang des Anbieters (Region, Dienste, Betriebsmodell, Unterauftragnehmer).
4) EU Cloud Sovereignty Framework (CSF v1.2.1)
Zusätzlich zur konfigurierbaren Compass-Logik berechnet der Compass eine EU-Referenzsicht. Alle 31 Kriterien sind den acht CSF-Zielen (SOV‑1 bis SOV‑8) zugeordnet:
- SOV‑1 Strategische Souveränität
- SOV‑2 Rechtliche & jurisdiktionelle Souveränität
- SOV‑3 Daten- & KI-Souveränität
- SOV‑4 Operationale Souveränität
- SOV‑5 Lieferketten-Souveränität
- SOV‑6 Technologische Souveränität
- SOV‑7 Sicherheits- & Compliance-Souveränität
- SOV‑8 Ökologische Nachhaltigkeit
Daraus ergeben sich zwei Kennzahlen:
- EU-Souveränitätsbewertung (0–100): Gewichteter Gesamtwert auf Basis der CSF-Zielgewichte. Dieser Wert ist unabhängig von Ihrer individuellen Gewichtung und eignet sich als neutrale EU-Referenzsicht.
- EU-SEAL-Näherungswert (0–4): Konservative Mindestbewertung pro CSF-Ziel, wobei N/A als 0 gewertet wird. In der Ergebnisliste wird das Minimum über alle Ziele als Kennzeichnung angezeigt. Dies ist ein Näherungswert – keine offizielle EU-Zertifizierung.
5) Dienstkatalog & Dienstabdeckung
Neben den Souveränitätskriterien erfasst der Compass einen Dienstkatalog mit 33 Cloud-Diensten in 11 Kategorien (Identität & Zugang, Sicherheit & Vertrauen, Compute, Container, Speicher, Netzwerk, Beobachtbarkeit & Betrieb, Daten, Integration, KI, Ökosystem). Pro Anbieter wird die Verfügbarkeit jedes Dienstes dokumentiert, einschließlich Nachweislinks. Daraus ergibt sich ein Abdeckungsgrad für Kern- und Sicherheitsdienste.
6) Datenquellen & Nachweisrichtlinie
Die Datenbasis stützt sich ausschließlich auf öffentlich verfügbare Quellen: Produkt- und Compliance-Dokumentation, Zertifikate und Atteste (z. B. BSI C5, ISO 27001, IT-Grundschutz), sowie offizielle Anbieter-Stellungnahmen. Ziel ist ein transparentes, nachvollziehbares Ausgangsbild – kein Ersatz für eine vertragliche oder auditbasierte Einzelfallprüfung.
- Quellenlinks sind pro Kriterium und pro Anbieter auf den jeweiligen Kriterien-Detailseiten und Anbieterprofilen hinterlegt.
- Validierungsfragen helfen, gezielt Nachweise beim Anbieter einzufordern (z. B. im Rahmen einer Ausschreibung oder eines Audits).
- Bewertungen sind immer geltungsbereichsabhängig: Region, Dienstumfang, Betriebsmodell und Unterauftragnehmer beeinflussen die Aussagekraft.
- Alle Änderungen an der Datenbasis und der WebApp werden im Changelog dokumentiert.
Transparenzhinweis
Der Sovereign Cloud Compass ist ein unabhängiges, nicht-kommerzielles Vergleichswerkzeug. Es bestehen keine Werbe-, Provisions- oder Sponsoring-Beziehungen mit den verglichenen Anbietern. Die Bewertungslogik, die Gewichtungen und alle Quellenangaben sind vollständig offengelegt. Wenn Sie Fehler bemerken oder Quellen vorschlagen möchten, nutzen Sie bitte die Feedback-Funktion im Compass.